Die Papiere bitte!

Der Blick in die Geschäftsbücher
Die Beamten nehmen alle Unterlagen genau unter die Lupe. Foto: Stephanie Schober

TOP HAIR unterwegs mit der Kontrollgruppe Schwarzarbeit in Nürnberg

„Oh, das ist gerade ganz schlecht, wir haben Kundschaft“, hören die Beamten der Einsatztruppe Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) vom Hauptzollamt Nürnberg an diesem Tag des Öfteren. So auch im Salon eines Filialisten im Süden der Stadt. „Ist schon recht, wir warten“, entgegnet Stefan Badichler, der Einsatzleiter, gelassen. Seine vier Kollegen in Zivil (unter weiten Pullis mit Schutzweste, Waffe und Pfefferspray ausgerüstet), verteilen sich unterdessen im Salon oder inspizieren die Sozial­räume. Immer ein wachsames Auge darauf, dass niemand der Mitarbeiter das Weite sucht oder die Nerven verliert. Ermittlungen auf Baustellen kennt man meistens aus dem Fernsehen, aber in einem Friseursalon sind sie (noch) eher selten.

 

Die angesprochene Friseurin ist mittlerweile mit ihrer Kundin fertig. Sichtlich irritiert aufgrund der Vielzahl an Zollbeamten, fragt sie, was los sei. Die Männer wollen ihre Papiere sehen und befragen sie zu ihrer Arbeit. Sie sei Gesellin, bekomme 1.200 Euro brutto und noch Fahrgeld. Nein, ihren Stundenlohn wisse sie nicht. Drei Mitarbeiterinnen zähle der Salon, eine sei gerade außer Haus. Meisterin? Ja, ihre Kollegin ist Meisterin. Die Teamleiterin aber sei sie. Wie lange sie arbeitet? „39 oder 40 Stunden die Woche, ich hab keine Ahnung.“ Urlaubs­anspruch? „Ja, ich glaube 24 oder 26 Tage.“

Erst als die Beamten nach den Geschäftsunterlagen fragen, wird die Friseurin etwas ruhiger. Sie legt mehrere Ordner auf den Tisch. Listen, Tabellen, Notizen, die Männer wissen, worauf sie schauen müssen. Hier scheint alles in Ordnung. „Die Bücher stimmen,“ sagt die Friseurin. „Müssen sie auch, denn ich will das Geschäft demnächst übernehmen“. Ein Kollege kommt hinzu, das Terminbuch in der Hand. Mit einer Kopfbewegung deutet er seinem Chef an, dass er nichts Auffälliges gefunden hat.

Die Befragung der zweiten Friseurin (Meisterin) verläuft problemlos. Sie ist besser über ihren Arbeitsvertrag informiert. Beide Frauen müssen noch das Protokoll unterschreiben. Die Teamleiterin möchte wissen, was mit ihrer Aussage passiert. „Wir überprüfen diese und wenn alles in Ordnung ist, werden die Daten später vernichtet. Da haben Sie nichts zu befürchten“, klärt Einsatzleiter Badichler sie auf. Zum ersten Mal lächelt die Frau.

 

Schwarzarbeit im Salon?